Mittwoch, 6. Mai 2009

Ich möchte ziehn...


... in die Welt hinaus. Hinaus in die weite Welt!
O wackre heile Welt.


Ade, ade!


Zwangsvorstellung: Das Coupé mit jemandem teilen müssen, der gerade seine Doktorarbeit über das Thema "Das epische Theater und der Dramatiker Bertolt Brecht" vollendet hat.

Hoffentlich habe ich Glück. Ich, für meinen Teil, habe drei Bücher, zwei Aufsätze und eine Partitur dabei. In meiner Tasche, seht Ihr sie?
Vielleicht schicke ich Euch einmal eine Ansichtskarte.
Auf bald!
Dulcinea

Sonntag, 3. Mai 2009

Samstag, 2. Mai 2009

Universum (4)


Nun ist es also geschehen. Wovor ich mich insgeheim so sehr gefürchtet habe.
Aurora und Fortuna!
Fortuna und Aurora!



Es ist nur noch eine da, die andere ist fortgegangen. Fort von mir! Ein unglaublicher Vorfall. Hinaus in die weite Welt!



Ich mache mir große Sorgen. Was wird sie tun? Wohin wird sie sich wenden? Da draußen lauern zahlreiche Gefahren, von denen sie nichts wissen kann. Ich hoffe sehr, daß sie uns schreiben wird, daß sie uns Billette schicken wird von ihren Stationen, mir und...
Aurora?
Fortuna?

Nach längerem Nachdenken beschließe ich, daß das daheim gebliebene Schwein Aurora zu sein hat. Meine Morgenröte. Natürlich! As with rosy steps... Es war mir, solange ich denken kann, ohnehin immer das liebste Schwein. Desgleichen scheint es mir sinnvoller, das hinausgegangene Schwein Fortuna zu nennen. Das kann dort draußen nicht schaden.
Uns bleibt nichts weiter zu tun. Wir werden warten.



Ich blicke auf ein wahrhaftig bewegtes Schweinejahr zurück. Im Grunde genommen sind es ja nur ein paar Monate, aber bis auf meine berechenbaren, relativ prosaischen Naturen Penélope und Napoleon ist nichts, wie es eigentlich sein sollte. Zuerst die Geschichte mit Sancho und diesem Quijana, samt dem in Pflege genommenen Esel Paul. Erinnert Euch. Dann Sanchica, der Ingenieur und Movi-Estrella. Dann Schweine, die ihre Identitäten tauschen. Und dann Berganzas Lebensgeschichte. Ich bitte Euch! Was soll daraus noch werden?
Ich halte Ausschau.



Aber je länger ich schaue, und je länger ich nachdenke, um so klarer wird mir, daß eine gute Verwirrung doch mehr werth ist, als eine schlechte Ordnung.
In jedem Fall.
In diesem Sinne grüßt Euch
Dulcinea

Dienstag, 28. April 2009

Tertulia (3)


Bernardette kommt zu mir herüber. Tertulia! Endlich. Ich muß mit ihr reden. Irgendwie passieren Dinge in letzter Zeit, ohne daß sie eigentlich... passieren. Wie soll ich sagen? Ich beobachte meine Schweine. Alles normal. Der Esel. Gut geschnittene Hufnägel. Die Hunde. Sind ruhig.



- Mon dieu, sagt Bernardette. Was machst Du Dir für Sorgen! Brauchst Du Abwechslung, soll ich Dir ein paar meiner Maximen für Frauen vortragen?
- Deiner Maximen? frage ich.
- Alors, sagt Bernardette, als hätte sie das nicht gehört. Ihr sollt euch selbst getreu sein!
- Eine schöne Maxime, sage ich.
- Et après, fährt sie fort, Nummer drei. Ihr sollt euch von den Männern nicht imponieren lassen, Einzelfälle ausgenommen, die jedoch die Regel bestätigen. Der Mann ist an und für sich kein annehmbares Beispiel.

Natürlich glauben wir daran, daß wir die edleren, würdigeren, aristokratischeren, kurz -- die holderen Geschöpfe sind. Ihr kennt uns ja.



- Aber gibt es denn keine Hoffnung für den Mann, frage ich.
- Wenig, antwortet Bernardette.
- Es gibt doch nette Fußballspieler, wende ich ein.



Junge, gutaussehende Musiker.



Dirigenten.



Sänger.



- Gleichwohl! ruft Bernardette. Der Mann, als solcher, wird immer eine Passion mehr haben.
Darauf weiß ich keine Antwort.

Montag, 27. April 2009

Wörterbuch (3)



Life imitates art far more



than art imitates Life,
findet
Dulcinea

Freitag, 24. April 2009

Karl Mickel


Libation



Hör ich recht? der auf dem Bildschirm, aus

Spanien, sagt, was ich dem Freunde kürzlich
Vertrauete. So denkt der Mann in meinem

In seinem Kopfe ich. Ich goß ein wenig

Wein aus vor seinem Bild und sprach: Salute

Oder Prost. Mehr, als wir denken, sind wir.

Dienstag, 21. April 2009

Patria de Dulcinea (4)


Ihr fragt Euch vielleicht, was das Pökeln für eine Tätigkeit ist. Wieviel Konzentration man dazu braucht. Wie es so von der Hand geht. Darauf gibt es leider, wie auf vieles im Leben, keine einfache Antwort. Es kommt darauf an!



Ich habe Euch schon erzählt, daß wir am Anfang Fische gepökelt haben. Falls Ihr das für einfacher oder etwa poetischer haltet als das Schweinepökeln, dann muß ich Euch leider enttäuschen. Tief. Denn Fische pökeln, das ist so ziemlich das Schlimmste, was es gibt. Und nicht wegen des Geruchs, der einen natürlich auch verfolgt. Nein. Deswegen:



Seht Ihr, was mir da an den Händen klebt? Ja, eben! Schuppen! Die Schuppen sind das Problem. Man wird sie nicht mehr los. Sie kleben am Ende überall. Auf dem Fußboden. Auf den Messern. An den Sachen. In den Haaren. An der Salztüte. Auf den Armen. Das finde ich nicht schön. Stellt Euch vor, man geht zu einem lang erwarteten Stelldichein. Und gerade, wenn man so am Dahinschmelzen ist, fällt der Blick auf eine festgeklebte Fischschuppe! Ja. Da ist es dann vorbei mit der Poesie. Das ist klar.

Daher ist das Pökeln von Schweinen viel besser. Schweine haben keine Schuppen. Die Pökelteile sind größer. Gut, sie sind auch schwer. Aus diesem Grund mache ich oft Pökelpause, Ihr wißt es schon.




Was nun die Konzentration anbelangt: Ja, man braucht seine Sinne beieinander. Weil man sich im Salz nicht vergreifen darf. Man darf nicht zu viel nehmen, aber auch nicht zu wenig! Darin liegt die hohe Kunst des Pökelns. Im Auffinden des richtigen Maßes. Immer und immer wieder. Hier ist es beispielsweise mißlungen:



Nun muß ich zum Schluß aber noch einen unschätzbaren Vorteil des Pökelns erwähnen. Stellt Euch einmal vor, Euer Beruf wäre, zum Beispiel, das Schreiben. Diesen Anfang:



könntet Ihr natürlich vollständig vergessen, wenn Euch da zufällig
Tränen drauftropfen! Dieser schöne Buchstabe, aus dem vielleicht das Wort Arkadien werden sollte, oder Adagio, Apart, oder einfach ein Ach -- verwischt, verschwommen, verdorben! Pökelgut dagegen. Es wird durch Tränen nicht schlechter, sondern besser! Dies ist ein geheimnisvoller Zusammenhang, den ich noch nicht vollkommen durchschaut habe. Beim Nachdenken hilft mir dann das Musizieren.



Vor allem, wenn Marin vorbeikommt. Das ist wirklich ein Glück,
findet
Dulcinea